
Ein Audit steht an, die Prüfmittelüberwachung ist fällig oder ein Kunde fordert einen belastbaren Nachweis zur Messgenauigkeit: Dann stellt sich häufig die Frage, welcher Kalibrierschein benötigt wird. Genügt eine ISO-Kalibrierung oder ist eine DAkkS-Kalibrierung die richtige Wahl? Beide Varianten dokumentieren Kalibrierergebnisse von Waagen, unterscheiden sich jedoch vor allem hinsichtlich des Kompetenznachweises, der Dokumentation und der Anerkennung.
Kalibrierung von Waagen: die Grundlage für zuverlässige Messergebnisse
Bei einer Kalibrierung wird die Anzeige der Waage mit bekannten Referenzwerten verglichen. Fachkräfte ermitteln die Messabweichung und halten die Ergebnisse im Kalibrierschein fest. Die Kalibrierung schafft damit eine wichtige Grundlage für verlässliche Messungen und die Qualitätssicherung.
Dabei ist eine klare Abgrenzung wichtig: Das Kalibrieren erfasst und dokumentiert Abweichungen, verändert die Waage aber nicht. Erst bei einer Justierung wird das Messgerät eingestellt. Eine Eichung wiederum ist eine gesetzlich geregelte Prüfung für eichpflichtige Anwendungen.

Die Wägezelle als Herzstück der Wiegetechnik
Bei vielen Industriewaagen bildet eine Wägezelle die Grundlage der Messung. Wird ein Gegenstand auf die Wägeplattform gestellt, leitet die Konstruktion die entstehende Kraft an dieses Bauteil weiter. Die Wägezelle verformt sich dabei minimal. Diese Veränderung ist mit bloßem Auge nicht sichtbar, lässt sich jedoch messtechnisch erfassen.
Häufig kommen dafür Dehnungsmessstreifen zum Einsatz. Sie sind fest mit dem elastischen Körper der Wägezelle verbunden und verändern bei einer Verformung ihren elektrischen Widerstand. Aus dieser Widerstandsänderung entsteht ein Signal, dessen Stärke von der aufgebrachten Last abhängt.
Hochauflösende Präzisionswaagen können mit anderen Messprinzipien wie der elektromagnetischen Kraftkompensation arbeiten. Welche Wiegetechnik geeignet ist, richtet sich unter anderem nach dem Wägebereich, der gewünschten Auflösung und dem Einsatzgebiet.
ISO-Kalibrierung: Wann reicht der Kalibrierschein aus?
Der Begriff ISO-Kalibrierung bezeichnet in der Praxis meist eine Werkskalibrierung. Sie erfolgt nach festgelegten Verfahren des Herstellers oder Kalibrierdienstleisters. Die Resultate werden in einem Werks- oder ISO-Kalibrierschein dokumentiert. Auch eine solche Kalibrierung kann rückführbar sein. Das bedeutet: Die verwendeten Prüfgewichte lassen sich über eine lückenlose Kalibrierkette auf nationale Referenzstandards zurückführen.
Für interne Kontrollen und Anwendungen mit einem überschaubaren Messrisiko reicht diese Variante häufig aus. Voraussetzung ist, dass weder Kundenanforderungen noch Verträge, Audits oder interne QM-Vorgaben einen akkreditierten Nachweis verlangen.

DAkkS-Kalibrierung: rückführbare Ergebnisse für hohe Anforderungen
Eine DAkkS-Kalibrierung für Waagen wird von einem nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditierten Kalibrierlabor durchgeführt. Die Akkreditierung durch eine unabhängige Stelle bestätigt, dass das Labor die im Akkreditierungsumfang aufgeführten Kalibrierungen fachgerecht durchführen kann.
Der DAkkS-Kalibrierschein dokumentiert unter anderem das Messergebnis und die zugehörige Messunsicherheit. Das geregelte Verfahren sorgt für eine nachvollziehbare messtechnische Rückführbarkeit. Dadurch genießt der Nachweis bei Auditoren, Auftraggebern und internationalen Geschäftspartnern in der Regel eine hohe Akzeptanz.
DAkkS- und ISO-Kalibrierung im Vergleich: die wichtigsten Unterschiede
Die folgende Übersicht zeigt, worin sich beide Kalibrierungsarten unterscheiden und für welche Anforderungen sie sich jeweils eignen.
| Kriterium | ISO- beziehungsweise Werkskalibrierung | DAkkS-Kalibrierung |
| Ausführende Stelle | Hersteller oder Kalibrierdienstleister | Akkreditiertes Kalibrierlabor |
| Kompetenznachweis | Kein unabhängiger Akkreditierungsnachweis erforderlich | Unabhängig bestätigte Kompetenz für den Akkreditierungsumfang |
| Rückführbarkeit | Möglich, abhängig von Verfahren und Nachweis | Nach festgelegten Anforderungen dokumentiert |
| Messunsicherheit | Nicht immer gleich detailliert ausgewiesen | Bestandteil des Kalibrierergebnisses |
| Typischer Einsatz | Interne Prüfmittelüberwachung | Hohe Nachweisanforderungen, Audits und internationale Prozesse |
| Aufwand | Meist geringer | In der Regel höher |
Den passenden Kalibrierservice für den eigenen Einsatz auswählen
Eine ISO-Kalibrierung genügt häufig, wenn eine Waage internen Kontrollzwecken dient, Abweichungen nur ein geringes Prozessrisiko verursachen und das Qualitätsmanagement den Nachweis akzeptiert.
Eine DAkkS-Kalibrierung empfiehlt sich dagegen bei besonders engen Toleranzen, hohen Risiken oder international genutzten Messergebnissen. Sie kann auch erforderlich sein, wenn Kunden, Verträge oder Auditoren ausdrücklich einen akkreditierten Kalibrierschein verlangen.
ISO 9001 schreibt nicht grundsätzlich für jede Waage eine DAkkS-Kalibrierung vor. Wichtig ist, dass die Waage für ihren Einsatzzweck geeignet und ausreichend genau ist. Bei Bedarf muss außerdem nachvollziehbar sein, auf welche anerkannten Referenzstandards sich die Messergebnisse zurückführen lassen. Wer unsicher ist, welcher Kalibrierservice die eigenen Anforderungen erfüllt, sollte sich vorab fachkundig beraten lassen.
Regelmäßige Prüfmittelüberwachung sichert präzise Messergebnisse
Beanspruchung, Verschleiß, Alterung und Umgebungsbedingungen können die Messergebnisse im Laufe der Zeit verändern. Deshalb benötigen Waagen eine anwendungsbezogene Prüfmittelüberwachung. Ein allgemeingültiges Kalibrierintervall gibt es nicht. Die Nutzungshäufigkeit, die erforderliche Messgenauigkeit, die Umgebungsbedingungen, die Herstellerangaben sowie frühere Kalibrierergebnisse und interne Vorgaben bestimmen den geeigneten Rhythmus.

Bei Fragen helfen wir Ihnen gerne weiter.
Dagmar Ducrée
Prokuristin / Vertrieb
Messgenauigkeit von Industriewaagen und Laborwaagen langfristig erhalten
Sowohl Industriewaagen als auch Laborwaagen müssen innerhalb der festgelegten Toleranzen verlässliche Ergebnisse liefern. Ein fachgerechter Kalibrierservice unterstützt dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Ergänzend tragen regelmäßige Wartung und fachgerechte Reparaturen von Waagen dazu bei, die Funktionsfähigkeit und Messgenauigkeit langfristig zu sichern.
Die Anforderungen entscheiden über die passende Kalibrierung
Ob eine ISO- oder DAkkS-Kalibrierung geeignet ist, hängt vom Verwendungszweck, vom Messrisiko sowie von den internen und externen Nachweispflichten ab. Für interne Kontrollen kann eine Werkskalibrierung genügen. Bei hohen Anforderungen bietet die DAkkS-Kalibrierung einen unabhängig bestätigten Kompetenznachweis.
FAQ
Bei der DAkkS-Kalibrierung bestätigt eine unabhängige Akkreditierung die Kompetenz des Labors für den jeweiligen Kalibrierbereich. Eine ISO- oder Werkskalibrierung erfolgt dagegen nach den festgelegten Verfahren des Anbieters, jedoch ohne diesen Akkreditierungsnachweis.
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. ISO 9001 verlangt geeignete Messmittel und, wenn erforderlich, einen Nachweis der messtechnischen Rückführbarkeit. Welche Kalibrierung dafür ausreicht, richtet sich nach dem Messprozess, den Risiken und den Vorgaben des Qualitätsmanagements.
Das Intervall sollte risikobasiert festgelegt werden. Maßgeblich sind unter anderem die Einsatzhäufigkeit, die Beanspruchung, die erforderliche Messgenauigkeit, die Umgebungsbedingungen und die Ergebnisse früherer Kalibrierungen.
